«Exotik ist nicht mehr so gefragt»

Die Biersommelière Conny Widmer gibt Auskunft über die neusten Entwicklungen rund um den Hopfentee. Bild: Thurbo AG

Interview: Cello Rüegg

Conny Widmer von Widmer Bierspezialitäten öffnet in ihrem Geschäft eine Bierflasche.
Biersommelière Conny Widmer betreibt mit ihrem Mann ein Bier-Fachgeschäft und kennt die Tiefen des Biersuds.

Conny Widmer, starten wir mit einem Klischee: «Männer trinken mehr Bier als Frauen.» Stimmt das? 

Wenn wir unser Geschäft als Gradmesser nehmen, auf jeden Fall. Die Kundschaft in unseren Filialen ist zwar sehr vielfältig, aber Männer zwischen 30 und 70 Jahren sind in der Überzahl. Vor allem Genussbiere – also alle Stile ausser Standard-Lagerbier – finden häufig auch bei Frauen Anklang.

 

Gibt es weitere geschlechterspezifische Verhaltensweisen?

Ja. Frauen geniessen grundsätzlich anders. Das beginnt – wie erwähnt – bei der Wahl des Bierstils. Ausserdem trinken sie das Bier nicht direkt aus der Flasche, sie bevorzugen ein Glas. Auch in Bezug auf die Menge gibt es Unterschiede. Frauen sind bei der Quantität zurückhaltender. Ausserdem etabliert sich Genussbier als Alternative zu Wein. Generell lässt sich sagen, dass unsere Kundinnen und Kunden offen sind für Neues, sie kaufen immer öfter auch alkoholfreie Biere – oder solche ohne Alkohol.

 

 

«Alkoholfrei» bzw. «ohne Alkohol»: Worin besteht der Unterschied?

Laut Schweizer Lebensmittelgesetz gilt ein Bier mit maximal 0.5% Alkoholgehalt als alkoholfrei. Steht hingegen «0.0%» auf der Etikette, liegt die Toleranzgrenze auch bei 0% Volumenprozent. Allerdings: Auch dieses Bier kann Restalkohol – unter 0.03% Volumenprozent – enthalten. Das ist bei Beratungen im Geschäft öfters ein Thema. Vielen Leuten ist allerdings nicht bewusst, dass auch andere Lebensmittel – z. B. vergorene Früchte – Restalkohol aufweisen können. 

Ganz klar: Alkoholfreies Bier liegt im Trend.

Conny Widmer, Biersommelière

Was ist im Moment besonders gefragt?

Vor wenigen Jahren ging der Trend in Richtung ausgewogene, milde Pale Ales und herbe India Pale Ales (IPA). Aktuell beobachten wir eine Rückkehr zu süffigen, traditionellen, klassischen Bieren. Exotik ist nicht mehr so gefragt. Ausserdem interessieren sich die Leute immer öfter für alkoholfreie Biervarianten.

 

Wie zeigt sich dieser Trend? 

Der Marktanteil wächst laufend, ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Das belegen auch die Zahlen. Laut dem Schweizer Brauerei-Verband stieg der Konsum 2024 um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Glück haben viele Brauereien darauf reagiert. Sie entwerfen tolle alkoholfreie und abwechslungsreiche Bierrezepte. Auch unser Sortiment in diesem Bereich wächst laufend. Hatten wir vor zehn Jahren etwa fünf Prozent alkoholfreie Biere im Angebot, sind es mittlerweile rund zwölf Prozent – Tendenz stark steigend. 

Wie steht es um die Qualität dieser Biere?

Sie ist beeindruckend – auch in Bezug auf das Geschmacks- und Genusserlebnis. Ob Lager, IPA oder Stout: Die Unterschiede zwischen alkoholfreien und alkoholhaltigen Bieren werden immer kleiner. Ein Blindtest wird mittlerweile zur Herausforderung. Das ist super.

 

Ein Tipp zum Schluss?

Ich empfehle jeweils, alkoholfreie Biere einfach mal auszuprobieren – unabhängig vom Lieblings-Bierstil. Denn dort ist die Toleranzgrenze viel tiefer.

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