Zehnmal Bier von hier
Mit dem Bierbrauen verhält es sich wie mit anderen Hobbys: Hingabe, Freude, Ausdauer und der Austausch mit Gleichgesinnten kreieren einzigartige Momente. Manchmal entsteht daraus Grösseres, wie unsere Übersicht zeigt. Diese zehn Mikro- und Kleinbrauereien mit Bar liegen in Gehdistanz zu einer öV-Haltestelle.
Text: Cello Rüegg

Im Thurbo Land gibt es viele kleine Brauereien, manche sogar mit Bar. Besuchen Sie authentische Orte, sprechen Sie mit den Menschen über ihre Leidenschaft. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie – selbstverständlich auch alkoholfreie – Biervielfalt.
Barfuss-Brauerei in Bürglen
Es begann an Weihnachten 2002: Weil Bryan die Biervielfalt seiner Heimat USA vermisste, schenkte ihm seine Frau Karin ein Braukit. Seither braut Bryan mit Leidenschaft. 2014 gründeten die beiden die Brauerei in der Nähe des Barfusswegs auf dem Nollen, und Karin ist mittlerweile Biersommelière. Die Biere mit nicht alltäglichen Zutaten tragen Namen wie «Hill Billy», «Secret Service» sowie «Sleeping Bear» und sorgen für aussergewöhnliche Geschmackserlebnisse.
Die Barfuss-Brauerei ist Initiantin und Hauptorganisatorin der Thurgauer Bier-Zugfahrt.
Brauerei St. Johann in Nesslau
Geschichte und Tradition im Obertoggenburg: Im denkmalgeschützten Haus «zur Mauer» wurde bereits von 1850 bis 1919 gebraut. Im Anbau gleich dahinter entsteht seit einigen Jahren wieder lokales Bier. Das Raumangebot kann sich sehen lassen – mit der gemütlichen Bar im Anbau und mehreren, unterschiedlich grossen Sälen für Gesellschaften im historischen Gebäude. Naheliegend: Hier gibt’s «Toggenburger Bruvieh» und «Zwingli Bier» – und einen Bierbrand.
Biero in Lindau (DE)
Das Brauhandwerk hat Tradition auf der Insel. Allerdings stellte 1972 die letzte Brauerei den Betrieb in Lindau ein. Erst seit 2017 gibt es hier wieder eine Mikrobrauerei. Frederic Schmid und Andreas Hops starteten «Independent Brewing» mit einer kleinen, komplett selbstgebauten Sudanlage. 2020 eröffneten sie in der Fussgängerzone ihre «Schänke» – in einer ehemaligen Brauerei. Zum Angebot im «BIERO» gehören vier Standard- und einzelne Sonderbiere.
Bruderbier in Frauenfeld
Der Name sagt’s: Hier brauen zwei Brüder. Matthias und Thomas setzen seit 2015 – zuweilen ausgefallene – Bierrezepte um. Sie legen den Stil fest und verfeinern ihn nach ihrem Gusto, bis die Rezeptur passt. Ihr Sudhaus mit 300-Liter-Kessel steht an der Balierestrasse. Seit März 2025 betreiben sie eine Bar in der Stadtkaserne. Gastbiere ergänzen das Standardangebot mit gar nicht so standardmässigen Namen wie «Rosemary Ale» und «Barrel Aged Amber».
Grimbart's Brauwerkstatt in Dachsen
Plötzlich macht alles Sinn: In der Fabel steht «Grimbart» für «Dachs». Bis zum passenden Logo ist es dann nicht mehr weit. Genauso spielerisch leicht präsentiert Francis sein Hobby. Er braut Bier seit 2020 zuhause in der Trotte, wo früher Wein hergestellt wurde. Mit «Frechdachs», «Grinsekatze», «Coconut Bay» und weiteren Kreationen begrüsst er immer freitags zum «Bier um 5», je nach Temperatur und Wetter drinnen oder draussen. Irgendwie fabelhaft.
Hermann Bier in St. Gallen
Gianluca und Marco brauen höchstens vier Mal pro Monat und haben neben Klassikern sowie Gast- auch «Vogel-Biere» im Angebot – Spezialitäten, die sie erstmals oder in unregelmässigen Abständen brauen. Nachhaltigkeit ist wichtig: Das Team setzt auf möglichst lokal hergestellte Bio-Rohstoffe, Mehrwegflaschen sowie die Zusammenarbeit mit örtlichen und sozial engagierten Partnern. Und pro gezapftes Bier gehen zehn Rappen an ein regionales Naturschutzprojekt.
Hörnlibräu in Fischenthal
Wie so oft stand am Anfang «die Bieridee». Das war 2006. Mittlerweile hat der Brauverein Fischenthal sechzehn Sorten im Angebot, vier Brauer sorgen in der Kleinbrauerei für Nachschub. Die Männer verbindet die Leidenschaft am Brauen und die Freude am Experimentieren. Pro Brautag entstehen in Handarbeit 500 Liter Sud mit Quellwasser aus dem Tössstockgebiet. Das Sortiment umfasst auch Honig- und Whiskybier sowie mit Holundersirup angereichertes Weizenbier.
Huus-Braui in Roggwil
Christian Tobler führt neben dem Restaurant Linde die Huus-Braui, in der seit 2002 Bier produziert wird. Der gelernte Koch ist auch ausgebildeter Brauer. Die Brauerei stellt «Spezialitäten-Biere» her, und sie hat ein eigenes Reinheitsgebot. Für Standardbiere verwendet sie zum Beispiel Roggwiler Quellwasser, Bamberger Malz, Tettnanger Aromahopfen und untergärige Hefe. Das Bier ist weder filtriert noch pasteurisiert, ebenso fehlen Konservierungsstoffe.
Kornhausbräu in Rorschach
In der «kleinsten der 50 grössten Brauereien der Schweiz» produziert Braumeister Res über 1’300 Hektoliter Bier pro Jahr. Neben den Klassikern gibt es Interessantes zu entdecken. Die «Wolfsmilch» hat ihren Namen von einem Bier, das bis 1935 in der Wolfsgrueb in Thal hergestellt wurde. Saisonale Kreationen der Spezialitätenbrauerei am Bodensee sind der spritzige «Frühling», der mit Edelkastanien verfeinerte «Herbst» und der kupferfarbene «Winter».
St. Laurentius in Bülach
Das erste Bier entstand nach einer USA-Reise 2013 zuhause im Keller, 2015 erfolgte die Firmengründung und 2020 kam das BrewPub dazu. Mittlerweile arbeitet das Team mit einem 1’000-Liter-Sudwerk. Zudem organisiert es Anlässe wie die Bierwanderung oder das Craft Beer Festival in Bülach. Zu trinken gibt es auch Kreatives wie «Mandarinli IPA». Interessant: Der Ortsheilige von Bülach ist der Schutzpatron der Brauer – und gab dem Unternehmen den Namen.

























